Plac Nowy im Wandel: Wie sich Krakaus Ausgehmeile verändert
Nach drei Stunden zwischen Wawel, Tuchhallen und den großen Kirchen am Rynek Główny braucht ihr in Krakau meist nicht noch eine weitere Sehenswürdigkeit, sondern einen Ort mit etwas Herzhaftem in der…

Nach drei Stunden zwischen Wawel, Tuchhallen und den großen Kirchen am Rynek Główny braucht ihr in Krakau meist nicht noch eine weitere Sehenswürdigkeit, sondern einen Ort mit etwas Herzhaftem in der Hand, einem guten Glas Bier und genug Bewegung, um den Abend ganz von selbst weiterlaufen zu lassen. Genau hier kommt der Plac Nowy ins Spiel. Vom Hauptmarkt aus sind es ungefähr 15 bis 20 Minuten zu Fuß bis nach Kazimierz – und mit jedem Schritt wird Krakau ein wenig weniger repräsentativ, dafür unmittelbarer, widersprüchlicher und kulinarisch verlockender.
Der Plac Nowy ist heute einer der wichtigsten Treffpunkte für das Krakauer Nachtleben. Rund um die achteckige, teils auch als zwölfeckig beschriebene Markthalle Okrąglak liegen Bars, kleine Lokale, Verkaufsstände und einige der bekanntesten Adressen des Viertels. Doch der Platz ist nicht einfach eine hübsche Kulisse zum Ausgehen. Seine Geschichte reicht vom jüdischen Marktplatz über eine koschere Geflügelschlächterei bis zur heutigen Mischung aus Zapiekanki, Flohmarkt, Konzerten und langen Abenden in Kazimierz.
Der Wandel des Plac Nowy zeigt deshalb ziemlich genau, wie sich Krakau selbst verändert hat: Die Stadt zieht mehr Reisende an, bleibt aber an vielen Stellen erstaunlich alltäglich. Zwischen Tourismus und Nachbarschaft, Erinnerung und Gegenwart, handgekneteter Teigware und nächtlichen Cocktails hält dieser Platz vieles gleichzeitig aus.
Vom Marktplatz zur Krakauer Institution: Die Geschichte des Okrąglak
Das Zentrum des Plac Nowy bildet das Okrąglak, die Rundhalle. Die heutige Marktarchitektur entstand ursprünglich im Jahr 1900. Schon damals war der Platz kein dekorativer Zwischenraum, sondern ein Ort des Handels und der Versorgung. Menschen kamen hierher, um Lebensmittel einzukaufen, Waren anzubieten und sich im Viertel zu orientieren. Diese Funktion ist bis heute nicht vollständig verschwunden, auch wenn sich die Waren, die Geräusche und die Tageszeiten verändert haben.
1927 pachtete die jüdische Gemeinde Kraków das Gebäude. Der Innenhof wurde zu einer koscheren Geflügelschlächterei umgebaut, die bis zur deutschen Okkupation betrieben wurde. Das ist ein zentraler Teil der Geschichte des Ortes – nicht, weil man ihn heute noch an jeder Ecke ablesen könnte, sondern gerade weil die gegenwärtige Ausgehmeile ohne diese Vergangenheit schnell zu einer bloßen Ansammlung von Bars und Imbissständen verkürzt würde.
Kazimierz war über Jahrhunderte ein Zentrum jüdischen Lebens in Krakau. Der Plac Nowy gehört zu jenen Orten, an denen sich diese Geschichte nicht nur in Museen oder Synagogen zeigt, sondern in der städtischen Struktur selbst. Die Rundhalle, die Markttradition und die Nutzung des Platzes erzählen von einem Viertel, das immer wieder neu besetzt, umgedeutet und belebt wurde.
Seit 2008 ist das Okrąglak offiziell in das Register der historischen Denkmäler der Stadt Krakau eingetragen. Das schützt nicht automatisch jede Nutzung und bewahrt auch nicht jede Atmosphäre, aber es macht sichtbar, dass die Halle mehr ist als ein praktischer Unterstand für Verkaufsfenster. Wer sich ihr nähert, sieht ein Gebäude, das im Alltag leicht übersehen wird und gerade dadurch so charakteristisch für den Plac Nowy ist: nicht geschniegelt, nicht monumental, aber voller Gebrauchsspuren.
Der Plac Nowy ist keine fertige Sehenswürdigkeit. Er ist ein Ort, der seine Bedeutung dadurch behält, dass Menschen ihn benutzen.
Auch die Geschichte von Kazimierz als international bekanntem Kultur- und Ausgehviertel hat mehrere Schichten. Das Jüdische Kulturfestival findet seit 1988 statt und hat dazu beigetragen, jüdische Kultur in Krakau sichtbar und erlebbar zu machen. Bei Kulturveranstaltungen und Festivals werden sogar auf dem Dach des Okrąglak Konzerte veranstaltet. Dann verändert sich die Perspektive auf die Halle noch einmal: Was tagsüber wie eine robuste Marktkonstruktion wirkt, wird zur Bühne und damit zu einem Teil des kulturellen Kalenders der Stadt.
Die verstärkte internationale Aufmerksamkeit für Kazimierz hängt außerdem mit dem Film Schindlers Liste zusammen, der 1993 in Teilen des Viertels gedreht wurde. Seitdem ist die Nachfrage nach historischen Spaziergängen, Museen, Restaurants und Bars deutlich stärker in das Bild des Stadtteils eingegangen. Der Plac Nowy lag dabei nie am Rand dieser Entwicklung. Er wurde zu einem Ort, an dem sich Erinnerungskultur, lokales Leben und touristische Neugier besonders dicht überlagern.
Zapiekanki: Ein Imbiss, der mehr kann als satt machen
Wer über den Plac Nowy spricht, kommt an Zapiekanki nicht vorbei. Die Außenluken des Okrąglak sind berühmt für die überbackenen polnischen Baguettes: meist mit Pilzen und Käse, dazu je nach Stand und Geschmack weitere Beläge. Das Ergebnis ist kein filigraner Snack, sondern etwas Warmes, Knuspriges und angenehm Unkompliziertes. Gerade nach einem langen Tag in der Stadt ist das oft genau die richtige kulinarische Entscheidung.
Die Preise liegen ungefähr bei 10 bis 18 PLN. Damit bleiben Zapiekanki eine der niedrigschwelligen Möglichkeiten, den Abend in Kazimierz zu beginnen oder zwischen zwei Bars eine solide Grundlage zu schaffen. Die Spannbreite entsteht durch Größe, Belag und Ausführung. Eine klassische Variante mit Pilzen und Käse ist etwas anderes als eine üppig belegte Version, bei der die Oberfläche unter Käse, Gemüse, Fleisch oder Saucen beinahe verschwindet.
Für mich liegt der Reiz nicht nur im Preis oder in der Bekanntheit. Zapiekanki passen zum Charakter des Platzes, weil sie eine Brücke zwischen Markt und Nachtleben bilden. Sie werden nicht als formelles Abendessen zelebriert. Man bestellt, wartet, beobachtet das Kommen und Gehen und hält kurz darauf ein Baguette in der Hand, dessen Käse noch glänzt und dessen Röstaromen erstaunlich schnell wieder munter machen.
Wenn ihr zum ersten Mal dort seid, hilft eine einfache Einteilung:
- Die klassische Zapiekanka ist die beste Wahl, wenn ihr den Geschmack von geröstetem Brot, Pilzen und Käse kennenlernen möchtet.
- Eine stärker belegte Variante eignet sich, wenn der Imbiss eine ganze Mahlzeit ersetzen soll.
- Eine geteilte Bestellung ist praktisch, wenn ihr mehrere Beläge probieren und danach noch in eine Bar weiterziehen möchtet.
- Der Zeitpunkt entscheidet über das Erlebnis: Tagsüber wirkt das Essen stärker wie ein Marktbesuch, am Abend gehört es ganz selbstverständlich zum Ausgehen.
Die Zapiekanki-Kultur hat den Plac Nowy auch deshalb geprägt, weil sie den Platz nicht ausschließlich in einen Abendort verwandelt. Die Stände sind bereits vor der eigentlichen Partystimmung relevant. Wer am späten Vormittag über den Platz geht, erlebt eine andere Geräuschkulisse als am Abend, aber die gastronomische Identität ist trotzdem schon da.
Das Okrąglak ist dabei kein anonymes Einkaufszentrum. Die einzelnen Verkaufsfenster, Gerüche und kleinen Unterschiede zwischen den Angeboten machen den Besuch eher zu einer persönlichen Entscheidung als zu einem standardisierten Ablauf. Ihr müsst nicht die angeblich beste Zapiekanka der Stadt finden. Sucht euch einen Stand aus, der euch sympathisch ist, nehmt euch ein paar Minuten Zeit und esst möglichst dort, wo ihr den Platz noch im Blick habt. Genau dann funktioniert der Imbiss als Teil des Ortes und nicht bloß als fotografierbare Krakau-Spezialität.
Bars in Kazimierz: Zwischen Patina, Kerzenlicht und studentischem Abend
Rund um den Plac Nowy liegen einige der bekanntesten Bars in Kazimierz. Alchemia, Singer, Eszeweria und Kolory gehören zu den Namen, die man immer wieder hört, wenn es um das Ausgehen in Krakau geht. Sie stehen nicht für exakt denselben Abend, und das ist der eigentliche Vorteil: Der Platz bietet keine einzige vorgeschriebene Nacht, sondern mehrere Möglichkeiten, die sich gut miteinander verbinden lassen.
Alchemia ist für viele Besucher der erste Name, wenn sie nach einer charaktervollen Bar in Kazimierz suchen. Singer wiederum ist eng mit einer besonderen Einrichtung und einer bewusst gealterten Atmosphäre verbunden. Eszeweria und Kolory ergänzen das Bild mit jeweils eigener Stimmung. Entscheidend ist weniger, dass ihr alle Adressen in einer festen Reihenfolge abarbeitet. Der Plac Nowy funktioniert besser als kleine Wanderung mit offenen Augen: erst etwas essen, dann einen Raum betreten, der euch über die Tür oder das Licht anspricht, später vielleicht noch einmal den Platz überqueren.
Die Bierpreise in den Bars rund um den Plac Nowy liegen ungefähr bei 12 bis 24 PLN. Cocktails kosten in Kazimierz meist etwa 28 bis 48 PLN. Diese Spannen sind für die Planung hilfreich, sollten aber nicht dazu verleiten, den Abend zu stark durchzurechnen. Der Unterschied zwischen einem Bier und einem Cocktail ist hier nicht nur eine Frage der Zutaten, sondern auch der Bar, des Raums und der Uhrzeit.
So lässt sich der Abend am Plac Nowy angenehm aufbauen
1. Beginnt nicht zu spät mit dem Essen. Eine Zapiekanka vor dem ersten Drink macht den Abend entspannter, besonders wenn ihr später mehrere Lokale ausprobieren möchtet.
2. Plant nicht jede Station im Voraus. Die Entfernungen rund um den Platz sind kurz, und ein Teil des Vergnügens besteht darin, auf die jeweilige Atmosphäre zu reagieren.
3. Rechnet mit unterschiedlichen Lautstärken. Manche Bars laden zum Gespräch ein, andere werden im Laufe des Abends deutlich lebhafter.
4. Nutzt den Platz als Orientierungspunkt. Wenn ihr euch in den Straßen von Kazimierz verliert, ist der Plac Nowy ein praktischer Treffpunkt, zu dem ihr leicht zurückfindet.
5. Beobachtet den Wechsel zwischen Einheimischen, Studierenden und Reisenden. Genau diese Mischung gehört zur aktuellen Identität des Viertels.
Das Krakauer Nachtleben hat sich in Kazimierz professionalisiert. Aus kleinen, eigenwilligen Lokalen sind bekannte Adressen geworden, und der Stadtteil wird in vielen Reiseführern als Pflichtprogramm genannt. Trotzdem wäre es falsch, den Wandel nur als Verlust zu erzählen. Mehr Besucher bedeuten auch mehr Konzerte, längere Öffnungszeiten, neue gastronomische Angebote und eine größere kulturelle Sichtbarkeit.
Die Spannung liegt darin, dass Atmosphäre nicht vollständig planbar ist. Eine Bar kann am frühen Abend beinahe ruhig wirken und später dicht gefüllt sein. Ein Platz, der am Tag nach Markt aussieht, wird nach Einbruch der Dunkelheit zum Treffpunkt für Gruppen, die ihren Abend gerade erst beginnen. Wer Kazimierz nur als Partyzone betrachtet, verpasst diese Übergänge – und damit einen großen Teil dessen, was den Plac Nowy besonders macht.
Der Platz wechselt sein Gesicht: Markt, Trödel und Festivalbühne
Eine der schönsten Eigenschaften des Plac Nowy ist seine Tagesdramaturgie, ohne dass man daraus gleich ein großes Wort machen müsste. Tagsüber wird gehandelt. Verkaufsstände mit Lebensmitteln gehören zum Bild, an Wochenenden kommen Floh-, Antiquitäten- und Bekleidungsmärkte hinzu. Sonntags kann der Platz dadurch eine ganz andere Energie bekommen als an einem Freitagabend.
Auf einem Trödelmarkt sucht ihr hier nicht unbedingt nach einer perfekt kuratierten Auswahl. Eher findet ihr Dinge, die nebeneinander liegen, weil der Platz genau diese unordentliche Mischung erlaubt: Kleidung, Haushaltsgegenstände, ältere Stücke, Kuriositäten und Waren, deren Geschichte man nur erahnen kann. Das macht den Besuch angenehm offen. Ihr müsst nichts kaufen, um etwas davon zu haben.
Für einen Rundgang über den Plac Nowy lohnt sich ein wenig Zeit. Schaut nicht nur auf die Stände, sondern auch auf die Wege zwischen ihnen, auf die Marktarchitektur und auf die Art, wie Händler und Besucher den Raum immer wieder neu aufteilen. Ein Platz wie dieser wird nicht nur durch seine Gebäude definiert. Er lebt davon, dass morgens andere Menschen an denselben Stellen stehen als mittags oder nachts.
Bei Festivals verändert sich der Rhythmus erneut. Das Jüdische Kulturfestival bringt Konzerte und Veranstaltungen nach Kazimierz; auch das Dach des Okrąglak kann dabei zur Bühne werden. Dann ist die Rundhalle nicht bloß historischer Hintergrund und nicht bloß Ort für Zapiekanki. Sie wird zum aktiven Teil des Programms.
Gerade dieser Wechsel erklärt, warum der Plac Nowy im Kulturkalender Krakaus so interessant bleibt. Er lässt sich nicht auf eine einzige Kategorie festlegen:
| Nutzung des Plac Nowy | Typische Atmosphäre | Was ihr davon habt |
|---|---|---|
| Markt und Lebensmittelstände | geschäftig, alltäglich, nachbarschaftlich | Einblick in die praktische Seite von Kazimierz |
| Sonntagsmarkt | neugierig, unübersichtlich, entspannt | Stöbern nach Kleidung, Antiquitäten und kleinen Fundstücken |
| Zapiekanki am Okrąglak | unkompliziert, würzig, lebendig | Ein Krakauer Klassiker zu einem vergleichsweise niedrigen Preis |
| Bars am Abend | intim bis ausgelassen | Gespräche, Cocktails, Bier und spontane Ortswechsel |
| Festivalveranstaltung | konzentriert, kulturell, gemeinschaftlich | Ein historischer Ort wird zur Bühne für Musik und Kultur |
Diese Mehrfachnutzung ist ein wichtiger Gegenentwurf zu einer Stadt, in der einzelne Plätze nur noch eine Funktion erfüllen. Der Plac Nowy ist Markt, Treffpunkt, Imbissadresse, Nachtleben-Knotenpunkt und Veranstaltungsort – nicht alles gleichzeitig, aber im Verlauf einer Woche oft genug nacheinander.
Die eigentliche Attraktion des Plac Nowy ist nicht ein einzelnes Lokal. Es ist der Wechsel der Stimmung, während der Ort derselbe bleibt.
Was der Wandel mit Kazimierz macht
Der Ausdruck Wandel klingt zunächst neutral, ist es aber selten. Wenn ein Viertel bekannter wird, verändert sich die Art, wie Menschen seine Straßen betrachten. Der Plac Nowy ist heute ein fester Punkt für Reisende, die das Nachtleben Krakaus kennenlernen möchten. Gleichzeitig bleibt er ein Platz mit Marktständen, Nachbarschaftsbezug und einer Geschichte, die nicht erst mit den Bars begonnen hat.
Die touristische Aufmerksamkeit hat Vorteile. Sie sorgt dafür, dass Kazimierz in Krakau und darüber hinaus als kulturell bedeutender Stadtteil wahrgenommen wird. Sie bringt Geld in Gastronomie und Veranstaltungswesen, schafft neue Anlässe für Konzerte und macht Orte zugänglich, die früher außerhalb der üblichen Stadtspaziergänge lagen.
Aber Aufmerksamkeit verändert auch die Erwartungen. Viele Besucher kommen mit einem fertigen Bild: historische Mauern, ungewöhnliche Bars, jüdische Geschichte, günstiges Essen und eine Nacht, die möglichst lange dauern soll. Der Plac Nowy muss all diese Vorstellungen gleichzeitig bedienen. Dadurch entsteht eine gewisse Reibung zwischen Alltag und Inszenierung.
Das zeigt sich besonders an der Frage, wie man mit der Geschichte des Ortes umgeht. Der frühere jüdische Marktplatz und die koschere Geflügelschlächterei im Okrąglak sind keine dekorativen Hintergrundinformationen für einen Abend mit Cocktails. Sie gehören zur Identität des Platzes und verlangen einen respektvollen Umgang. Gleichzeitig darf Erinnerung nicht bedeuten, dass ein Viertel stillstehen muss. Kazimierz war nie nur Museum, und der Plac Nowy war nie nur Denkmal.
Auch die berühmte Filmgeschichte hat diesen Prozess verstärkt. Seit den Dreharbeiten zu Schindlers Liste wird Kazimierz von vielen Besuchern zugleich als historischer Schauplatz und als Ausgehviertel gelesen. Beides existiert, aber nicht immer harmonisch. Ein verantwortungsvoller Besuch besteht deshalb nicht darin, den Platz möglichst schnell zu fotografieren und die nächste Bar zu suchen. Er besteht darin, die verschiedenen Ebenen nebeneinander stehen zu lassen.
Das bedeutet ganz praktisch:
- Geht tagsüber einmal über den Platz, bevor ihr abends wiederkommt.
- Verbindet den Besuch mit einem Spaziergang durch die historischen Straßen von Kazimierz.
- Seht die Zapiekanka als Teil der lokalen Esskultur, nicht nur als Fotomotiv.
- Besucht eine Bar wegen ihrer Atmosphäre und nicht ausschließlich wegen eines bekannten Namens.
- Bleibt bei Veranstaltungen aufmerksam für den kulturellen Kontext des Ortes.
- Verwechselt lebendige Nutzung nicht mit Beliebigkeit: Der Platz hat Regeln, Anwohner und unterschiedliche Interessen.
Der Plac Nowy ist damit ein gutes Beispiel für die Veränderung des Krakauer Nachtlebens insgesamt. Ausgehen bedeutet hier längst nicht mehr nur, in einen Club zu gehen. Es kann ein Marktbesuch sein, ein Konzert auf dem Dach, ein Bier in einem dunklen Innenraum, eine warme Zapiekanka vor Mitternacht oder ein langer Spaziergang zwischen mehreren kleinen Lokalen. Die Grenzen zwischen Kultur, Essen und Nachtleben sind fließend.
Ein Abendplan, der den Platz nicht überfordert
Wenn ihr den Plac Nowy zum ersten Mal besucht, braucht ihr keinen komplizierten Ablauf. Ein einfacher Plan reicht – und lässt genug Raum für Entdeckungen.
Früher Nachmittag: den Markt lesen
Kommt, wenn möglich, bei Tageslicht. Dann erkennt ihr besser, wie stark der Platz von seiner Marktfunktion geprägt ist. An Wochenenden und besonders sonntags lohnt sich ein Rundgang zwischen den Ständen. Plant dafür mindestens eine halbe Stunde ein, wenn ihr nicht nur im Vorbeigehen schauen möchtet.
Früher Abend: Okrąglak und Zapiekanki
Holt euch eine Zapiekanka am Okrąglak. Wenn ihr zu zweit oder in einer kleinen Gruppe unterwegs seid, könnt ihr unterschiedliche Varianten teilen. Eine klassische Version mit Pilzen und Käse ist ein verlässlicher Anfang; danach entscheidet ihr, ob ihr noch eine üppigere Variante probieren möchtet.
Abend: eine Bar auswählen
Schaut euch Alchemia, Singer, Eszeweria oder Kolory an und entscheidet nach Stimmung. Nicht jede Adresse muss euch gefallen, und nicht jede Bar passt zu jedem Abend. Das ist kein Fehler, sondern Teil der Erfahrung. Der Reiz von Kazimierz besteht darin, dass ihr nach einem Getränk weiterziehen könnt, ohne lange Wege einzuplanen.
Später Abend: zurück auf den Platz
Kehrt noch einmal zum Plac Nowy zurück. Dann zeigt sich der Unterschied zum Tagesbesuch am deutlichsten. Die Marktstände sind nicht mehr der Mittelpunkt; Gespräche, Gruppen und die beleuchteten Eingänge der Bars übernehmen diese Rolle. Wenn ihr noch Hunger habt, ist die Nähe zu den Zapiekanki praktisch – und wenn nicht, reicht es oft schon, einige Minuten stehen zu bleiben und das Treiben zu beobachten.
Der Plan funktioniert auch deshalb gut, weil er nicht versucht, den Platz zu kontrollieren. Ihr gebt dem Besuch eine Richtung, aber keine starre Dramaturgie. Gerade für das Ausgehen in Krakau ist das sinnvoll: Die besten Abende entstehen häufig aus einer kleinen Kursänderung, einem unerwartet guten Raum oder einem Lokal, an dem ihr eigentlich nur vorbeigehen wolltet.
Der Plac Nowy zwischen Institution und Alltag
Die Bezeichnung Krakauer Institution passt zum Plac Nowy, solange man sie nicht mit Stillstand verwechselt. Institutionen sind Orte, die ihre Funktion über Jahre behaupten und trotzdem ihre Gestalt verändern. Das Okrąglak steht noch immer im Zentrum. Die Markttradition ist noch sichtbar. Zapiekanki gehören weiterhin zum kulinarischen Gedächtnis des Platzes. Gleichzeitig kommen neue Gäste, neue Preise, neue Veranstaltungen und neue Erwartungen hinzu.
Dass ein Bier rund um den Plac Nowy ungefähr 12 bis 24 PLN kostet und Cocktails etwa 28 bis 48 PLN, erzählt dabei nur einen Teil der Geschichte. Der Platz ist nicht mehr der vollständig günstige Geheimtipp, als den ihn manche ältere Reiseberichte darstellen. Trotzdem bleibt er zugänglicher und unmittelbarer als viele durchinszenierte Ausgehviertel anderer europäischer Städte. Man kann hier mit überschaubarem Budget einen ganzen Abend verbringen, wenn man Markt, Imbiss und Bar geschickt miteinander verbindet.
Die stärkste Veränderung besteht vielleicht darin, dass der Plac Nowy heute von sehr unterschiedlichen Gruppen gleichzeitig beansprucht wird. Ein Händler braucht Platz für seine Waren, Besucher suchen Orientierung, Nachtschwärmer möchten draußen stehen, Anwohner brauchen Ruhe, Veranstalter wollen Publikum anziehen. Der Platz ist erfolgreich, weil er diese Interessen nicht vollständig auflöst, sondern immer wieder neu austariert.
Das macht ihn manchmal laut, voll und ein wenig widersprüchlich. Genau darin liegt aber seine Glaubwürdigkeit. Ein Ort, der nur für Besucher funktioniert, verliert schnell seine Tiefe. Ein Ort, der nur aus Vergangenheit besteht, wird irgendwann stumm. Der Plac Nowy bleibt interessant, weil Gegenwart und Erinnerung hier nicht sauber voneinander getrennt sind.
Fazit: Warum sich ein Besuch trotz des Wandels lohnt
Der Plac Nowy im Krakauer Nachtleben ist kein unveränderter Geheimtipp – und muss es auch nicht sein. Er hat sich vom historischen jüdischen Marktplatz zu einem kulturellen und gastronomischen Knotenpunkt entwickelt. Das Okrąglak erinnert an seine Marktgeschichte, die Zapiekanki halten den Ort im Alltag verankert, und Bars wie Alchemia, Singer, Eszeweria und Kolory machen ihn zu einer der bekanntesten Adressen für das Ausgehen in Kazimierz.
Seine Zukunft wird vermutlich weiterhin zwischen touristischem Magnet und lokalem Treffpunkt liegen. Genau diese Spannung sollte man nicht als Makel betrachten. Sie gehört zum Charakter des Platzes. Wer nur eine hübsche Nachtleben-Kulisse sucht, wird hier fündig. Wer genauer hinsieht, entdeckt zusätzlich einen Ort, an dem sich Krakaus Geschichte, Esskultur und Gegenwart auf engem Raum begegnen.
Kommt am besten zweimal: einmal bei Tageslicht und einmal am Abend. Schaut euch das Okrąglak an, probiert eine Zapiekanka, nehmt euch Zeit für einen Sonntagsmarkt und wählt später eine Bar nicht nur nach ihrem Ruf, sondern nach dem Gefühl, das sie euch beim Eintreten gibt. Dann zeigt der Plac Nowy seine ganze Stärke: nicht als fertiges Erlebnis, sondern als lebendigen Platz, der sich mit jeder Tageszeit ein wenig neu erfindet.